Ereigniskarte: Gehen Sie nicht über Rot.

Im täg­li­chen Spiel um Macht und Geld befand ich mich gera­de auf dem Übergang von der Kaiserstraße zum Hauptbahnhof, als ich eine Ereigniskarte zie­hen muss­te. Darauf stand „Gehen Sie nicht über Rot, sonst zieht das Ordnungsamt fünf Euro ein”.

Der Spieler, der bei­de Spielfelder besetzt und mit Häusern und Hotels bebaut hat­te, grins­te mich über­le­gen an, als er mich frag­te, ob ich wüss­te, war­um ich mei­nen Spielzug nun unter­bre­chen müs­se. Mir war im ers­ten Moment nicht klar, was er mein­te, so klär­te er mich auf, dass ich beim Überqueren der Feldgrenzen das Rotlicht der Fußgängerampel über­se­hen hät­te und ich ihm daher fünf Euro schul­dig sei. Das wäre eine Regelwidrigkeit.

Ich muss­te die Spielregeln ent­we­der nicht rich­tig gele­sen oder ver­stan­den haben, denn so oft ich die­ses Real-Life-Monopoly bereits spiel­te, bin ich mir nie­mals der Tatsache bewusst gewor­den, dass das Überqueren einer Straße bei Rot über­haupt einer Regelung unter­liegt und ich hielt das Warten auf Grün nai­ver­wei­se für eine Empfehlung. Eine durch­aus ver­nünf­ti­ge. Doch sooft ich in den vie­len Jahren, seit ich selbst zu Gehen in der Lage bin und über beam­pel­te Straßen ging, dem Irrglauben unter­lag, dies aus frei­en Stücken ent­schei­den zu kön­nen. Dem ist nicht so. Da ich just in die­ser Situation das Regelwerk nicht parat und somit kei­ne ver­tei­di­gen­den Argumente zur Hand hat­te, ging ich knur­rend auf die Forderung ein. Ich woll­te nicht auch noch wagen ins Gefängnis zu kom­men und einen Spielzug aus­set­zen zu müs­sen. Dies hät­te mich unwei­ger­lich dazu gezwun­gen die Gemeinschaftskarte „Du kommst aus dem Gefängnis frei” aus­zu­spie­len oder einen Pasch zu würfeln.

Die Regel ist in der Tat Bestandteil der offi­zi­el­len Spielanleitung und ich akzep­tie­re sie. Wenn auch mit Zähneknirschen. Aber nicht wegen der ver­lo­re­nen fünf Euro, son­dern mehr der Tatsache, dass der Gegenspieler trotz offen­sicht­li­chen Personalmangels genug Spielfiguren auf das Brett brin­gen und statt Drogenhandel und ande­re Verbrechen zu ver­ei­teln, ein­fach so unbe­schol­te­ne Mitspieler abkas­sie­ren kann.

Bei zukünf­ti­gen Spielfeldwechseln wer­de ich ver­stoh­len schau­en, ob der Gegenspieler erneut einen lapi­da­ren Regelverstoß auf­de­cken könn­te, wäh­rend ande­re Spieler bewusst und mit vol­ler Absicht mogeln und dabei straf­frei davon­kom­men. Ich bin auf der Hut, bis nach unbe­stimm­ter Spieldauer die Aufmerksamkeit nach­lässt und ich wie­der zah­len darf. Zuvor gehe ich aber wei­ter ein paar Mal über Los.

Kommentare

  • Und ganz neben­bei bemerkt, ver­mu­te ich schon seit län­ge­rem, dass das Feld „Frei Parken”, auf dem man all die ein­ge­zahl­ten Strafen aller Mitspieler wie­der­be­kommt, ein Mythos ist. Die haben uns mit der Spielanleitung beschis­sen, die Schweine die.

    • Genau. Die ändern auch dau­ernd Regeln, erfin­den neue oder las­sen alte weg­fal­len. Da blickt auch kein nor­ma­ler Mensch mehr durch. So ist das.