Bürologischer Garten

Früh mor­gens, kurz vor Sonnenaufgang ist noch alles still. Man hört nur das lei­se Surren der Neonbeleuchtung und spürt die Kühle der Klimaanlage. Diesen Moment muss man in sich auf­neh­men, um das, was danach kommt zu ertragen.
Denn mit den ers­ten Lichtrahlen, die sich durch den Morgendunst quä­len, erwacht das Nasenhaaräffchen, das es sich mit unüber­hör­ba­rem Geschnaufe und Geschmatze in sei­ner Zelle gemüt­lich macht. So früh plagt es meist ein gro­ßer Durst, sodass es sich immer wie­der schlür­fend und schlu­ckend an der Wasserstelle güt­lich tut.
Von den Geräuschen geweckt, regt sich auch schon bald das Schnatterhuhn im Nachbargehege, wel­ches sogleich mit lau­tem Gegacker die Federn plus­tert und die gut­tu­ra­len Laute des Nasenhaaräffchens kommentiert.
Nun ent­brannt einer Kettenreaktion gleich, Stück für Stück ein wir­res Spektakel aus allem was eine Kakophonie mit sich bringt.
Ein paar Käfige wei­ter tönt bereits der Hackerspecht ein mono­to­nes Klappern sei­ner Krallen, wenn er auf­ge­regt in der Voliere hin und her läuft. Zum Fliegen ist er die meis­te Zeit zu faul.
In den Reigen bringt sich dann ein wol­li­ges Häschen ein, indem es mit den Pfoten auf dem leich­ten Boden sei­ner Box ner­vös im Takt eines ima­gniä­ren Liedes klopft. Dies mit unrhyth­mi­schem, aber fröh­li­chem Schnüffeln und Knurren. Gegenüber des Zappelkaninchens sitzt ein mage­rer Hamster und knab­bert den gan­zen Tag geräusch­vol­les Knuspergebäck.
In den hin­te­ren Boxen gackert, wie­hert und meckert die sel­te­ne nicht eier­le­gen­de Huhnstutenziege, eine kurio­se Kreuzung, die man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt.
Wenig spä­ter wackelt der fast schon haar­lo­se Wandermull, stän­dig auf der Nahrungssuche ner­vös zwi­schen den Gehegen auf und ab.
Ansonsten wech­seln sich Murmeltiere und Vögelchen mit den Raubtieren ab und aus allen Ecken der Käfige brab­belt, lacht und brum­melt, zwit­schert, klin­gelt und tiril­liert es, dass selbst hart­ge­sot­te­nen Tierkennern und den Erben Brehms, Sielmanns oder Grzimeks die Spucke wegbleibt.
Als stum­mes Fischlein hat man hier­bei sel­ten die Leichtigkeit des Seins. Befindet sich qua­si mit­ten im Getöse von aller­lei Geräuschen und Bewegungen ohne einen Hauch von Gegenwehr zu haben.
Erst zum Feierabend, wenn man end­lich den Großraumzoo ver­las­sen darf, kehrt Ruhe ein. Eine Ruhe, die man mit zucken­dem Augenlid kaum zu genie­ßen in der Lage ist, wohl wis­send, dass am nächs­ten Tag das Treiben erneut von vorn beginnt.
Da möch­te man nur noch alle in die freie Wildbahn ent­las­sen, damit Groß- und Kleinwildjäger sich ihre Trophäe erschießen. 

Halali.

Kommentare

Keine Kommentare.