Nur seine Feindseligkeit übertrifft noch seine perfekte Struktur

Ich schrei­be nor­ma­ler­wei­se kei­ne Rezensionen über Bücher oder Filme oder sonst etwas. Wenn mir jemand sagt, ein Film sei schei­ße, wäh­rend ein ande­rer sagt er sei Kult, dann bleibt mir nur, mei­ne müden Knochen selbst auf den unbe­que­men Kinosessel zu sta­peln und mir den Schinken anzuschauen.

Aber ich möch­te es hier und heu­te den­noch tun. Weil ich es ein­fach los­wer­den möch­te. Und um Trollen gleich den Wind aus den Segeln zu neh­men: ja, das Folgende ist sub­jek­tiv, mei­ne Meinung und ent­behrt jeg­li­cher Professionalität einer „ech­ten” Filmkritik. Aber nun.

Ich sah ges­tern Nacht die Vorpremiere zum Alien-Prequel „Prometheus — Dunkle Zeichen”.

Wollte man den Film detail­liert sezie­ren, fän­de man eine Menge Dinge, um sagen zu kön­nen, dass der Film schei­ße war. Für Alien-Nerds jedoch ist er Pflichtprogramm. Zumal vom ehr­wür­di­gen Meister Ridley Scott selbst pro­du­ziert und regiert. (Sagt man das so? Egal.)

 

Die drei Fortsetzungen degra­die­ren den Klassiker von 1979 regel­recht Stück für Stück, wäh­rend das Prequel die Brücke zu „Alien” schlägt. „Prometheus” wird womög­lich an den Kultstatus nicht her­an­rei­chen, nimmt ihm aber auch nicht den Glanz, indem er ihn mit Digital- und Materialschlachten über­trump­fen möch­te, wie es vie­le ande­re Prequels erle­di­gen. So zuletzt bei­spiels­wei­se „Planet der Affen: Prevolution” oder auch die Star Wars Episoden 1–3. Naja, es ist ja Geschmackssache.

Natürlich wur­de mit neus­ter Trick- und 3D-Technik zeit­ge­mäß auf­ge­rüs­tet, was ich von einem moder­nen Science-Fiction-Horror-Märchen erwar­te. Dennoch blieb alles in ange­mes­se­nem und über­schau­ba­rem Verhältnis, dass Scott es schaff­te, den Charme der Atmosphäre aus dem „ers­ten” Film zurück­zu­ho­len, wenn auch nicht ganz so düs­ter. Stellenweise fühl­te es sich so an, als hät­te Scott Kulissen und Requisiten aus der Nostromo wiederverwendet.

Man könn­te sicher auch dar­über kla­gen, dass die Parallelen bei den Charakteren und im Handlungsablauf doch sehr deut­lich, ja fast schon kopiert sind, jedoch ist dies offen­sicht­lich erwünscht und wirk­te kei­nes­wegs auf­ge­zwun­gen sen­ti­men­tal. Im Gegenteil, rang es mir stel­len­wei­se wis­sen­des Nicken und Schmunzeln ab. Es ist sicher nur mein Eindruck und mög­li­cher­wei­se vom Regisseur nicht beab­sich­tigt, aber so man­ches Szenen-Déjà-Vu erin­ner­te mich an Stanley Kubricks „2001” und John Carpenters „Ding”, doch kei­nes­wegs irri­tie­rend oder gar schlecht.

Was gera­de bei einem Film die­ser Art bemer­kens­wert schwie­rig ist und stets als Kritikpunkt für all­zu peni­ble Kinogänger her­hal­ten darf, ist die Kunst, Action und Spezialeffekte in eine eini­ger­ma­ßen plau­si­ble und hoch­wer­ti­ge Story zu packen. Ich bin nicht sicher, ob ich beur­tei­len kann, dass dies Ridley Scott gelun­gen sei, aber ich emp­fand es hin­sicht­lich der Kenntnisse des Alien-Schinkens nicht unnö­tig auf­ge­setzt oder an den Haaren her­bei­ge­zo­gen. Stellenweise ließ die Konsistenz des Handlungsstrangs ein wenig nach, manch­mal wirk­te alles etwas unlo­gisch und gehetzt, nur soll­te man beden­ken, dass hier kei­ne hoch­ran­gi­ge Literatur ver­filmt wur­de, son­dern Unterhaltungskino prä­sen­tiert wird.

Auch wenn eini­ge Dinge recht vor­her­seh­bar waren und „Prometheus” nicht wirk­lich viel Neues anzu­bie­ten hat­te, fühl­te ich mich rund  zwei Stunden durch­aus unter­hal­ten.  Und das ist auch ein Grund war­um ich mir sol­che Filme anschaue: ich will unter­hal­ten werden.

Wer die Alien-Reihe nicht kennt, könn­te unter Umständen ein wenig rat­los daste­hen und womög­lich am Ende ent­täuscht werden.
Ach ja, wer das alt­be­kann­te Kuscheltier aus H.R. Gigers Feder oder gar gan­ze Horden davon erwar­tet, wird sehr wohl ent­täuscht sein. Die Aliens in „Prometheus” sind zwar nicht min­der gru­se­lig und sor­gen für den nöti­gen Ekel-Splatter, sind aber dies­mal nicht zwin­gend die Hauptattraktion des Films. Was ich per­sön­lich ohne wei­te­res befür­wor­te, da ansons­ten alles wohl zu sehr in das alte Schema ver­fal­len wäre.

Wie der Titel für Mythologiebewanderte durch­klin­gen lässt, geht es vor­ran­gig um die popu­lä­re Frage nach dem Sinn, dem Universum und dem gan­zen Rest. Und sehr unter­schwel­lig dif­fun­diert die Kritik um Genmanipulation und „Schöpferspielen” durch. Wobei man auch hier kri­ti­sie­ren könn­te, dass die­sen Fragen und den damit ver­bun­de­nen Moralvorstellungen nicht ein­dring­lich nach­ge­gan­gen wur­de. Doch wer genau dies von einem SF-Horror-Spektakel erwar­tet, soll­te lie­ber gesell­schafts­kri­ti­sche Dokumentarfilme, Melodramen oder Fassbinder-Filme schauen.

Wie schon gesagt: für Alien-Fans ein Muss, wenn man sei­ne Erwartungen etwas herunterschraubt.
Ich fand ihn unter­halt­sam, gut gemacht und kei­nes­wegs lang­wei­lig. Und das reicht mir bereits. Wo Kitsch anfängt oder auf­hört, soll­te sich jeder selbst beantworten.

Wenn Ihr die­se „Rezension” für sinn­los hal­tet, dann guckt Euch den Film ein­fach selbst an. Ansonsten auch.

Kommentare

  • Übrigens: soll­te es treu­en und wie­der­keh­ren­den Lesern gefal­len, dass ich mei­nen Senf zu Filmen, Büchern oder Comics hier preis­ge­be, dann könnt Ihr das hier, heu­te und sowie­so immer in den Kommentaren verewigen.