1. Türchen: Groß, größer, Adventskalender

Als Kind gab es in der Adventszeit kaum etwas grö­ße­res, als mor­gens stolz zum Adventskalender zu gehen, vol­ler Spannung das Türchen des Tages zu suchen, es zu öff­nen, um dann manch­mal noch vor dem Frühstück das klei­ne Stückchen Schokolade zu essen.
Die Schokolade schmeck­te nicht mal beson­ders gut, aber es schmeck­te nach der bevor­ste­hen­den Weihnachtszeit. Nach Ferien und Geschenken.
Als Adventskalender gab es, außer viel­leicht den selbst­ge­bas­tel­ten ledig­lich die­se ein­fa­chen, kit­schi­gen Pappschachteln in denen die klei­nen Schokotäfelchen in lieb­los tief­ge­zo­ge­ne Kunststoffformen gepresst waren. Die Formen waren sel­ten fili­gran struk­tu­riert, sodass sich in der Schokolade das abge­druck­te Motiv auf der Rückseite des Kalenders nur erah­nen ließ.
Aber wir hat­ten als Kinder eine Riesenfreude damit und konn­ten den nächs­ten Tag kaum erwar­ten. Bis zum Heilig Abend, wo man nicht ohne ein klein wenig Enttäuschung das letz­te, oft viel grö­ße­re Türchen öff­nen durfte.

Und heu­te?
Heute sehe ich Adventskalender jeder Art, jeder Größe und von nahe­zu jedem Produkthersteller. Es sind nicht mehr nur noch Schokostückchen, es sind Ü‑Eier, Playmobil-Figuren, Barbie-Zubehör, Schmuck und Tinnef noch und noch. Ja, sogar für das lie­be Vieh im Haus und ums Haus her­um, gibt es Adventskalender (jedoch ohne 20% Rabatt, da Tiernahrung).

Das ist der Geist der Konsum- und Giergesellschaft. Ein Zeichen der Zeit.

Bei uns gibt es wei­ter­hin die ein­fa­chen Schoko-Adventskalender. Unsere Tochter (fast 9) will es selbst so. Ohne Zwang oder gute Zurede unsererseits.

Symbolfoto

Und für uns alle hängt dane­ben ein kit­schi­ger, aber schö­ner Nostalgie-Adventskalender, bei dem man klei­ne Engelchen hin­ter Waldbäumen her­vor­schie­ben kann. Jedes Jahr ein Spaß für die gan­ze Familie. Von 9–99 Jahren.

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