Der Tod ist kein Spiel

Mir feh­len die Worte.

Genau genom­men die nöti­gen Worte, um sati­risch zu umschrei­ben, was ich jedes Jahr ver­mehrt auf der hie­si­gen Dorfkirmes sehe. Ich kann es nur unverblümt.

Kinder. Kleine Menschen, teil­wei­se nicht älter als fünf Jahre. Hauptsächlich Jungs. Mit optisch äußerst rea­lis­tisch wir­ken­den Pistolen, halb- und voll­au­to­ma­ti­schen Schußwaffen, die selbst einem Waffenhändler die Nase weiß wer­den lässt.

Noch schlim­mer jedoch, die Art und Weise, wie so uner­fah­re­ne, unschul­di­ge Menschlein damit umge­hen. Wie sie sich jagen, die auf­ge­schraub­ten Schalldämpferattrappen an die Stirn hal­ten. Hinter Mauern und Büschen lau­ern, um Ihre nahen­den Opfer sogleich hin­ter­rücks zu überfallen.

Sie han­tie­ren mit Magazinen prall gefüllt mit Kugeln. Bunten klei­nen Kugeln, die die Harmlosigkeit ver­spot­ten. Sie laden nach, schie­ßen auf alles was sich bewegt.

Hier müss­te nun die Kunstpause der Fassungslosigkeit stehen.

Fassungslos dar­über, dass Eltern unüber­legt, gedan­ken­los oder schlicht­weg dumm genug sind, ihren Kindern solch „Spielzeug” zu kau­fen. Fassungsloser dar­über, dass solch „Spielzeug” über­haupt immer noch in Deutschland ver­kauft wer­den darf.

Sprachlos dar­über, dass die Gier und Lust am „spie­le­ri­schen” Töten und Morden so tief in uns Menschen ver­wur­zelt zu sein scheint, dass kein ande­res Interesse schwe­rer wiegt.

Spiel? Das ist kein Spiel. War es noch nie und wird es nie sein.

Mit Waffen spielt man nicht.”

Eine Weisheit, die ich aus Kinder- und Jugendtagen in mei­ner Erinnerung her­um­tra­ge. Traurig, dass es wohl nur noch weni­ge sind, die die­sen Satz noch ernst neh­men, geschwei­ge denn kennen.

Meine Großmutter erleb­te den Krieg. Die Gewalt. Den Tod. Und sie erzähl­te davon. Und wir hör­ten und spür­ten, dass es kein Spiel war.
Wir hat­ten in Europa schon lan­ge kei­nen der­ar­ti­gen Krieg mehr. Doch sind Zeitungen und Fernsehnachrichten gespickt mit Krieg, Gewalt, Tod und Elend. Durch Waffen. Durch Menschen, die die­se Waffen benut­zen. Gegen ande­re Menschen.

So trau­rig, dass die­se klei­nen Menschen nicht begrei­fen, was Sie da eigent­lich spie­len. Keines der Kinder kennt den Tod. Kennt die Angst mög­li­cher­wei­se getö­tet zu wer­den. Auch ich ken­ne sie nicht, aber mir ist bewusst, dass ich es nicht ken­nen möchte.

Diese Eltern ken­nen sie nicht. Viele dar­un­ter sind womög­lich auch nicht in der geis­ti­gen Position, dies zu reflek­tie­ren. Traurig auch das.

Umso mehr fehlt mir hier ein Staat, der die­se Art „Spielzeug” ver­bie­ten lässt. Aber Politiker schau­en im Nachhinein schul­ter­zu­ckend und Verbote aus­spre­chend auf die Opfer von Amokläufen, mut­wil­li­gen Körperverletzungen und stu­pi­den Vandalismus. Alles was ihnen dann bleibt, ist Polemik. Stumpfsinn ohne Inhalt. Ohne Tat.

Ja, ich kla­ge nicht die Eltern der bewaff­ne­ten Kinder an, die es viel­leicht nicht bes­ser wis­sen. Aber ich kla­ge die hohen Damen und Herren der Wirtschaft und der Politik an, die zulas­sen, dass sich solch mör­de­ri­scher „Spaß” auf unse­ren Spielplätzen tummelt.

Ich weiß nicht, wie alt ich wer­den muss, um ein Ende die­ses düs­te­ren, trau­ri­gen und beängs­ti­gen­den Spiels mit dem Tod zu erleben.

Die Unendlichkeit wird wohl lei­der nicht reichen.

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