Klare Namen? Klare Worte!

Sehr geehr­ter Hans-Peter Friedrich,

mit Bedauern muss ich fest­stel­len, dass auch Sie, wie vie­le Ihrer Vorgänger und Kollegen über­haupt kei­ne Ahnung vom Internet haben. Und auch wie Ihre Vorgänger bewe­gen Sie sich mit Ihrer Argumentation auf dem glei­chen dün­nen Eis der ver­fälsch­ten Tatsachen.
Es wird in das Horn gebla­sen, das mit dem Sabber der Rufe nach mehr Kontrolle über Amokläufer und Terroristen über das Internet bereits durch­ge­weicht ist.
Sie, wie Ihre Amtskollegen haben immer noch nicht ver­stan­den (oder wol­len nicht ver­ste­hen), dass das Internet nicht der Grund für Amokläufe und Terrorismus ist, wenn­gleich ein pro­ba­tes Mittel zur Organisation sol­cher Gestalten.

Desweiteren unter­stel­le ich Ihnen Inkonsequenz. Wenn Sie schon das Ende der Anonymität im Internet for­dern, soll­ten Sie dar­an den­ken dies auch für das „ana­lo­ge” Leben zu berück­sich­ti­gen. Sicher besteht die Pflicht sich jeder­zeit aus­wei­sen zu kön­nen, aber dann soll­te dies auch über­all und jeder­zeit geschehen.
Verzeihung. Ich ver­gaß. Sie glau­ben ja, dass die Durchführung von Überwachung und Kontrolle im Internet wesent­lich ein­fa­cher sei. Das geht im rea­len Leben ja so ohne wei­te­res nicht. Schade, nicht wahr!?

Aber dar­an sieht man, wie schlecht Sie Ihre Hausaufgaben machen.
Die Polemik, die regel­mä­ßig nach schlim­men Ereignissen wie jüngst in Oslo aus den Köpfen der Politiker dif­fun­diert, zeugt von Unsicherheit und Unwissenheit. Sie schürt Angst und fal­sche Vorstellungen. Sie schert Menschen, die sich beruf­lich, pri­vat und ein­fach nur zum Spaß im Netz bewe­gen über einen Kamm.

Ich bin Blogger. Ich tre­te bewusst und frei­wil­lig mit „Klarnamen” auf. Weil ich nichts zu ver­ber­gen habe. Aber auch wenn ich anonym sein woll­te, hin­dert mich die Rechtsstaatlichkeit mit der Impressumspflicht dar­an, ver­deckt auf­zu­tre­ten, wenn ich ver­mei­den will, dass irgend­wann ein Abmahnanwalt auf der Matte steht. Hegte ich jedoch böse Absichten, wür­de mich die­ses Regelung nicht abschrecken.

Dennoch soll­ten Sie in Betracht zie­hen, dass es Menschen gibt, die ger­ne das Internet benut­zen, ins­be­son­de­re in Sozialen Netzwerken, aber unsi­cher und vor­sich­tig sind. Menschen, die nicht ohne wei­te­res pri­va­te Daten in jedes noch so schö­ne Eingabefeld tip­pen, um sich zu offen­ba­ren. Menschen, die in Foren oder Kommentaren oder Blogs ihre freie Meinung äußern wol­len, ohne zu befürch­ten von Mitmenschen ange­pran­gert oder in der rea­len Welt damit kon­fron­tiert zu werden.

Ihre Forderungen sind ein ers­ter klei­ner Schritt in eine Richtung, die in ande­ren „nicht­frei­en” Ländern für Staatskontrolle und Denunziation sor­gen. Und die­se Länder und deren Mittel wer­den von Ihnen und Ihren Kollegen doch auch ger­ne kritisiert.

Sollten Sie dazu in der Lage sein, den­ken Sie ein­fach mal dar­über nach.

Mit freund­li­chen Grüßen
CFK...oh...Verzeihung
Christian F. Kaufhold

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