Warum ich keinen Zweitaccount habe.

Ich werde immer wieder mal, in Twitter wie auch im „Real-Life“, darauf angesprochen, warum ich nicht anonym twittere. Es gäbe ab und zu Tweets, die „gegen mich“ verwendet werden könnten.
Meine Antwort lautet dann „Ja. Und?“ oder „Genau.“

Ich trete mit dem Vollbesitz meiner geistigen Fähigkeiten mit echtem Namen und Avatar auf und mein Twitterprofil ist auf meinen Websites und div. anderen Social Networks verlinkt.
Die Inhalte meiner Tweets sind nicht eindeutig einem bestimmten Schema zuzuordnen. Vielleicht tun das einige. Ich wüßte nicht, als welche Sorte Twitterer ich durchgehen würde.
Ich schreibe Wortspielereien, mache bei Meme mit, verpacke Selbsterlebtes in Sarkasmus und Ironie, probiere mich in Satire zum Alltagsgeschehen aus Politik und Gesellschaft und ich kalauere. An manchen Tagen reicht die Muse für Tiefgründiges, Lyrisches oder Poetisches und Frust und Ärger versuche ich ebenfalls mit bissigem Witz zu verpuffen, indem ich es als Tweet loswerde. Hin und wieder auch Berufliches oder Privates.
Ob ich witzig bin, genügend Tiefgang dabei habe oder gar „literarisch wertvolle“ Tweets schreibe, kann ich selbst nicht beurteilen. Das dürfen andere tun.
Dass mir dabei ein Tweet mal zum Verhängnis werden könnte, kann ich nicht ausschließen. Doch ich werde deswegen nicht anonym oder mit einem Zweitaccount weitertwittern.
Ich stehe zu dem, was ich zu sagen habe. Wem das nicht passt oder ein Problem darin sieht, darf gerne in offene Konfrontation gehen. Man darf mich kritisieren, solange es sachlich und korrekt bleibt. Ich kann auch Fehler offen eingestehen und bin in der Lage zu reflektieren.

Aber ich lasse mir den Mund nicht verbieten. Ich werde stets darauf achten, Etikette zu wahren, niemanden zu diskriminieren oder als minderwertig oder menschenverachtend zu behandeln. Sollte dies jemand feststellen, erwarte ich offene Ansprache, um mir die Chance zu geben, dies zu korrigieren.
Wenn Kollegen, Bekannte oder andere Menschen mir daraus Nachteile generieren, so werde ich auch hierzu Stellung beziehen und Rede und Antwort fordern.
Ich werde mich nicht auf einen Zweitaccount zurückziehen oder meinen Account löschen.
Wer mit mir und meiner Art nicht kann, darf gehen. Wer mir in den Rücken tritt, darf meine Antwort darauf erfahren.

Ich akzeptiere, wenn andere anonym oder mit Zweitaccount twittern. Ein Stück weit verstehe ich es auch. Doch kann ich mir selbst nur ehrlich gegenüber sein, wenn ich mit aller Offenheit sagen kann, was ich zu sagen habe.
Bei Twitter, im Blog, ganz gleich in welcher Form.

Kommentare

  • Oha! Du klingst genervt und erbost. Aber: mit Recht, mein Lieber!

    Was soll einem da schon groß zum Nachteil sein, wenn man twittert?

    Wenn ich mich z. B. um eine Stelle bewerben würde und der Personaltyp schnüffelte mit hinterher und meinte, durch die Art zu twittern sei ich nicht seriös genug – dann würde ich sagen: „Gut, dass die mich nicht genommen haben! Ich hätte keinen Spaß an meinem Job gehabt.“

    So gesehen kann Twitter einen evtl. sogar vor einem falschen Schritt bewahren. 😉

    Man muss aus allem immer das Positive herausziehen! Und du machst das schon ganz richtig. Du schreibst nichts Anstößiges und nichts sonstwie Verletzendes, wie du schon sagtest, also was soll’s?

    Du machst dein Ding und das ist der einzig wahre Weg für dich. Fertig. 🙂

    Liebe Grüße

    Caro

    • Danke Caro,

      das mit dem Job ist ein gutes Beispiel, das meine Argumentation ergänzt. Es gibt jedoch Leute, die einfach Schiß haben überhaupt Ihre Meinung zu sagen. Egal wann und wo. Von jenen kommen oft auch die Bedenken.

  • Ich kann gut nachvollziehen, was du meinst und ich habe mir auch schon oft Gedanken darüber gemacht, ob es mich stören würde, unter meinem echten Namen zu twittern. Aber in meinem Beruf ist es wirklich nicht sinnvoll. Sonst wäre es mir auch egal, ob Bekannte oder sonstwer gut oder schlecht findet was ich twittere oder blogge.
    Mach einfach weiter so! Das passt schon 😉

    • Danke für Deine Meinung.
      Ich finde es auch völlig okay, wenn jemand dies aus für sie/ihn guten Gründen tut. Also anonym zu bleiben.
      Was den Beruf angeht ist das mit der Meinung auch knifflig.
      Doch ich für mich versuche keinen Lebensbereich explizit davon auszuschließen. Ich bin der, der ich bin. Überall.

  • Ich bin mehr durch Zufall hier gelandet, doch diesen Beitrag muss ich kommentieren.

    Du bist jemand mit Rückgrat – bravo!

    In dem Moment wo man nicht mehr das schreiben darf (will) was man denkt und es in allen Punkten frisiert um nicht „unangenehm“ aufzufallen sollte man den Blog schließen und sich aus allen Social Networks zurückziehen.

    Es gibt nichts schlimmeres als sich nach außen hin nur einer Meinung anzuschließen obwohl ich mich darin nicht wiederfinden kann.

    Fünf sind nicht gerade – ganz einfach. Und das muss ich auch sagen dürfen.