Jedem das Seine

Als ich nach meinem Ableben endlich in der Hölle ankam, traute ich meinen Augen nicht. Man beschrieb mir die Hölle als Ort der Folter, des Schmerzes und vor allem des Feuers.
Doch nichts dergleichen.
Es war hell und angenehm warm. Es duftete frisch. Die „Bewohner“ lümmelten sich auf grünen Wiesen, schwammen nackt in klaren Seen, spielten vergnügt, labten sich an feinsten Speisen und Getränken und freuten sich des Todes.
Der Dämon, der mich an der Höllenpforte empfangen hatte, sah meine Verwunderung, für den dies wahrscheinlich nichts Neues war und deutete mir an zu folgen.
Verstört und verzückt zugleich, ob der fröhlichen Menschen tat ich, wie mir geheissen war und die Kreatur des Teufels trat vor eine schwere Holztür.
Mit der Geste eines Showmasters, der einem den Hauptgewinn präsentiert, öffnete er die Tür.
Ich wich unwillkürlich einen Schritt zurück, als ich erblickte, was die Tür zuvor verbarg.
Ja. Genau, dies war, was ich mir unter der Hölle vorgestellt hatte.
Dunkelheit, lediglich erhellt von heißen Lavaquellen und -tümpeln in denen Menschen vor Pein markerschütternd kreischten. Folterung und Schmerz. Es war ein grauenvoller Kontrast zu dem hellen freundlichen Ort, der mir zuerst gezeigt wurde.
Panik stieg in mir hoch. Sollte ich wohl doch hierher gebracht werden?
Der Dämon schien meine Angst zu spüren und er legte mir die Hand auf die Schulter.
Ich zuckte zusammen, doch bemerkte ich, dass der Druck der Pranke milde war. Fast freundschaftlich.
Stumm zeigte er auf die bedauernswerten Kreaturen, sodass ich gewahr wurde, wie diese Seelen gekleidet waren.
Es waren Priester, Nonnen und Mönche.
Mein Verwirrung wuchs ins Unermeßliche und ich versuchte eine Frage zu formulieren, doch der Dämon kam mir mit der Antwort zuvor, so als ob er diese bereits millionenfach gesprochen hätte.

„Das sind die Katholiken. Die wollen das so.“

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