Crazy Killer

Die der­zei­ti­ge Tendenz zur Gewalt bei Jugendlichen, wie der jüngs­te Amok-Lauf in Emsdetten, ist sicher sehr alamierend.
Doch wie immer nut­zen eini­ge Politiker die Sorgen und Ängste der Bevölkerung wie­der aus, um von den wirk­li­chen Gründen für die­se Entwicklung abzu­len­ken oder die Augen zu verschließen.
Nun wer­den wie­der ein­mal soge­nann­te „Killerspiele” in die Schlagzeilen gebracht, die sug­ge­rie­ren, daß die­se allei­ne Schuld tra­gen an der Verrohung der Jugend.

Daß sol­che Spiele oder auch Gewaltfilme zwei­fel­los auch die Fantasien poten­ti­ell gefähr­de­ter und gewalt­be­rei­ter Jugendlicher för­dert, läßt sich nicht bestrei­ten. Doch lie­gen die wirk­li­chen Ursachen nicht allei­ne in der Tatsache, daß man regel­mä­ßig vir­tu­ell dahin­meu­chelt und ‑met­zelt oder sich bei tum­bem Actionkino vergnügt.
Ich habe mir bei­spiels­wei­se Matrix auch bereits meh­re­re Male ange­schaut (wie zufäl­lig war der Amokläufer von Emsdetten wie Keanu Reeves ali­as Neo geklei­det, wobei die­se Kleidung per se bereits die typi­sche Killerverkleidung ist: Langer, schwar­zer Mantel, tief­schwar­ze Sonnenbrille, schwe­re Stiefel, abge­säg­te Schrotflinte unter den Achseln.) und trotz­dem hat­te ich noch nie die Neigung los­zu­zie­hen und Leute über den Haufen zu ballern.

Das Problem liegt eher in ande­ren Dingen begrün­det: Soziales Umfeld, Mangelnde Zukunftsperspektiven, Verkorkste Kindheit, was auch immer. Doch dies sind Probleme, die nicht so leicht zu lösen sind, wie ein­fach Mal irgend­wel­che Spiele zu ver­bie­ten, oder der USK auf die Finger zu klop­pen. In der Medienwelt, auch beim Fernsehen, wer­den die Hemmschwellen immer nied­ri­ger und es wird immer schwie­ri­ger zu beur­tei­len, was man Jugendlichen vor­ent­hält und was nicht. Wo vor nicht ein­mal 10 bis 15 Jahren im Fernsehen Spielshows noch seich­te Unterhaltung waren, locken nun niveau­lo­se Talk- und Castingshows das infor­ma­ti­ons­ge­sät­tig­te Publikum vor die Mattscheibe und prä­sen­tie­ren, wie Dieter Bohlen und Co. die Leute run­ter­but­tert und exhi­bi­tio­nis­tisch ver­an­lag­te Containerbwohner den Schein von Realität vor­gau­keln. In Actionfilmen müs­sen Waffen nicht mehr nach­ge­la­den wer­den und trotz­dem wer­den hun­der­te von Patronen verschossen.

Selbst in den Nachrichten ist die Schwelle des­sen, was man von Unfall- oder Kriegschauplätzen zeigt immer nied­ri­ger gewor­den. Immer häu­fi­ger sieht man Leichen aus nächs­ter Nähe, Blut ist schon lan­ge kei­ne Tabu mehr.
Wie sol­len deg­ne­rier­te Jugendliche, die ein­fach nicht die Gelegenheit hat­ten Kritikfähigkeit zu erlan­gen, dabei die Verhältnismäßigkeiten von Gewalt beurteilen?
Insbesondere, da die Informationsflut, die täg­lich auf uns her­ein­bricht, gefil­tert, selek­tiert und vor­ge­kaut wird, daß die Informationen zusam­men­ge­nom­men über­haupt nicht mehr beur­teilt wer­den kön­nen, da ver­nünf­ti­ge Vergleiche fehlen.
Daß unter Umständen Gewaltfilme oder ‑spie­le dann den Kurzschluß her­bei­füh­ren, der aus einem jun­gen Menschen einen unbe­re­chen­ba­ren Amokläufer macht, bleibt dann lei­der nicht aus.
Ich fin­de, wer daheim stän­dig eins auf den Deckel bekommt, braucht kei­ne Killerspiele um gewalt­tä­tig zu werden.

Wirklich bedenk­lich dabei ist jedoch, daß nun wie­der heiß dis­ku­tiert wird, ob man sol­che Spiele, Filme oder gleich das Internet ver­bie­ten soll, aber die wirk­li­chen Probleme auf der Strecke blei­ben, bis man das Thema wegen ande­ren Dingen wie­der aus dem Fokus ver­liert, bis wie­der jemand bis unter die Schirmmütze bewaff­net Leute ver­letzt oder tötet.

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