Das wird die perfekte Abmahnwelle

Was bedeu­tet eigent­lich „jour­na­lis­tisch anmutend”?
Die „Novellierung” des Teledienst- bzw. die Einführung Telemediengesetzes wird im kom­men­den Jahr womög­lich noch mehr Rechtsunsicherheiten bei pri­va­ten Website- und vor allem Weblog-Betreibern auslösen.
Ein ent­spre­chen­der Artikel bei Telepolis (Heise) bringt es auf den Punkt.
Vermutlich wer­den dann gewief­te und Dollarzeichen sehen­de Rechtsverdreher und Winkeladvokaten wie­der gefun­de­nes Fressen haben und „jour­na­lis­tisch anmu­tend” ziem­lich frei für Ihre Zwecke ausschlachten.
Heikel ist, wenn Meinungen über Gott und die Welt, die mit­tels pri­va­ter Weblogs frei geäu­ßert wer­den, da das Internet dafür wohl der opti­ma­le und attrak­tivs­te Kanal ist, als „jour­na­lis­tisch” ein­ge­stuft wer­den. Darüberhinaus für sol­che auto­ma­tisch die aus­ge­spro­che­nen Regeln und Grundsätze gel­ten und dafür auch „haft­bar” gemacht wer­den können.

...Nachrichten [müs­sen] vor ihrer Verbreitung auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit vom Anbieter geprüft werden.

Doch wie soll ein Blogger, der sich über die­sen Kanal ver­bal „ergießt”, Inhalt, Herkunft und Wahrheit prü­fen, wenn ande­re „ech­te” Journalien dies wahr­schein­lich selbst nicht immer wol­len können?
Daß dies für rein pri­va­te Betreiber von Weblogs mit gewöhn­li­chen Mitteln kaum erreich­bar erscheint oder gar prak­tisch unmög­lich ist, liegt auf der Hand. 

Wir wer­den wohl die ers­te gro­ße Abmahnwelle abwar­ten müs­sen, bis klar wird, wie man sich in Zukunft als Blogger ver­hal­ten muß, um nicht durch unge­recht­fer­tig­te Prozeßkosten plei­te zu gehen.
Wahrscheinlich wird man dann wie­der schwam­mi­ge und jeder­zeit zugäng­li­che Yadayadayadas (Impressum, Erklärungen, etc.) ver­öf­fent­li­chen müssen.
Ich hät­te dafür gleich einen Vorschlag:

Das neue EU-Recht schreibt vor, dass auch Privatleute Inhalt, Herkunft und Wahrheit ihrer Beiträge prü­fen müs­sen. Außer Sie schlie­ßen dies beim Lesen der Beiträge aus und ver­zich­ten auf die­sen Anspruch, wie Sie es auch beim Lesen ande­rer jour­na­lis­ti­scher Berichterstattung tun.

Im Ernst: wer hat denn tat­säch­lich mal geprüft, ob das, was „serö­se” Journalisten schrei­ben tat­säch­lich der Wahrheit ent­spricht? Und wer weiß schon, ob das Gelesene oder Gehörte von einem ehren­vol­len Korrespondenten stammt oder von den Gebrüdern Grimm?

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