Skip to Content

Wertlospapier

Der Finanz­markt ist im Eimer. Der Euro liegt am Boden. Die Aktien sind im Kel­ler. Papier ist nun mehr wert als Wert­pa­piere. Doch pro­fes­sio­nelle Invest­ment­un­ter­neh­men ste­cken nicht den „Sand in den Kopf”, son­dern rea­gie­ren eben pro­fes­sio­nell und nut­zen die Gunst der Stunde.

Die DWS zum Bei­spiel nimmt Kun­den­ser­vice ernst. Sehr ernst.
Sie ver­sen­den regel­mä­ßig, sehr regel­mä­ßig Depot– und Kon­ten­über­sich­ten, sodass man als Kunde leicht, sehr leicht die Über­sicht ver­liert behält. Und um dem Kun­den in die­sen schwe­ren Zei­ten noch kräf­tig unter die Arme zu grei­fen, ste­cken sie jedes Mal noch ein Wert­los­pa­pier dazu. Und nicht nur ein ein­fa­ches Papier, nein, sogar noch per­so­na­li­siert, sodass jeder Kunde genau bele­gen kann, dass es „sein” Wert­los­pa­pier ist.

Wert­los­pa­pier


So sam­melt sich mit der Zeit eine recht ansehn­li­che Menge an Wert­los­pa­pie­ren an. Wären sie was wert, wäre ich recht reich.
Wobei: genau­ge­nom­men sind diese Wert­los­pa­piere doch womög­lich eini­ges wert.
Da steckt eine Menge Holz drin und Arbeits­kraft. Ja, so ein Sta­pel Wert­los­pa­piere sorgt für Arbeit in der Holz­in­dus­trie, sorgt für Arbeit in der Papier­her­stel­lungs­in­dus­trie, sorgt für Arbeit in der Papier­trans­port­in­dus­trie, sorgt für Arbeit in der Papier­be­druck­in­dus­trie, für Arbeit in der Papier­ver­sende­in­dus­trie, für Arbeit in der Ben­zin­her­stel­lungs­in­dus­trie, für Arbeit in der Auto­her­stel­lungs­in­dus­trie und sogar für Arbeit in der Koh­len­di­oxid­ver­mei­dungs– und –besei­tungs­in­dus­trie.
Tol­les Papier.
Und ich habe davon einen schon rund 10 Mil­li­me­ter hohen Stapel.

Doch mich plagt das schlechte Gewis­sen. Geht es den Invest­ment­un­ter­neh­men und Ban­ken im Moment doch so schlecht, dass ich es irgend­wie nicht ver­win­den kann, die­sen Sta­pel Wert­los­pa­pier zu behal­ten. Ich spielte kurz, sehr kurz mit dem Gedan­ken der DWS den Sta­pel wie­der zurück­zu­sen­den. Ich hätte erneut vie­len Indus­trien Arbeit beschafft und sicher auch den Wirt­schafts­kreis­lauf wie­der in Schwung gebracht.
Aber ich möchte die DWS nicht ent­täu­schen und behalte das Geschenkte. Ist ja auch bald Weih­nach­ten.
Einem geschenk­ten Gaul…naja, Sie wis­sen schon.
Ich hadere noch, wel­che Indus­trie ich damit wohl als nächste unter­stüt­zen werde. Viel­leicht die Abfallbeseitungsindustrie.

2. Türchen: Lasse zu wünschen übrig

Die Wunsch­lis­ten so man­cher Kin­der, wie auch von Erwach­se­nen las­sen sich gefühlt(!) mehr­fach um die­sen arm­se­li­gen Pla­ne­ten wickeln. Andere Wunsch­lis­ten sind eher breit und ent­spre­chen der Flä­che meh­re­rer Fuß­ball­fel­der.
Meine Wunsch­liste ist ein Wunsch­zet­tel. Ein hand­li­cher Post-It oder die Ecke einer Papier­ser­vi­ette oder der Rand eines Bier­de­ckels.
Dort steht ein ein­zi­ger Wunsch. Dar­auf steht ein­fach nur:
 

RUHE

für 2012

 
Für mich und meine kleine Fami­lie.
Mehr nicht.

1. Türchen: Groß, größer, Adventskalender

Als Kind gab es in der Advents­zeit kaum etwas grö­ße­res, als mor­gens stolz zum Advents­ka­len­der zu gehen, vol­ler Span­nung das Tür­chen des Tages zu suchen, es zu öffnen, um dann manch­mal noch vor dem Früh­stück das kleine Stück­chen Scho­ko­lade zu essen.
Die Scho­ko­lade schmeckte nicht mal beson­ders gut, aber es schmeckte nach der bevor­ste­hen­den Weih­nachts­zeit. Nach Ferien und Geschen­ken.
Als Advents­ka­len­der gab es, außer viel­leicht den selbst­ge­bas­tel­ten ledig­lich diese ein­fa­chen, kit­schi­gen Papp­schach­teln in denen die klei­nen Scho­ko­tä­fel­chen in lieb­los tief­ge­zo­gene Kunst­stoff­for­men gepresst waren. Die For­men waren sel­ten fili­gran struk­tu­riert, sodass sich in der Scho­ko­lade das abge­druckte Motiv auf der Rück­seite des Kalen­ders nur erah­nen ließ.
Aber wir hat­ten als Kin­der eine Rie­sen­freude damit und konn­ten den nächs­ten Tag kaum erwar­ten. Bis zum Hei­lig Abend, wo man nicht ohne ein klein wenig Ent­täu­schung das letzte, oft viel grö­ßere Tür­chen öffnen durfte.

Und heute?
Heute sehe ich Advents­ka­len­der jeder Art, jeder Größe und von nahezu jedem Pro­dukt­her­stel­ler. Es sind nicht mehr nur noch Scho­ko­stück­chen, es sind Ü-Eier, Playmobil-Figuren, Barbie-Zubehör, Schmuck und Tin­nef noch und noch. Ja, sogar für das liebe Vieh im Haus und ums Haus herum, gibt es Advents­ka­len­der (jedoch ohne 20% Rabatt, da Tiernahrung).

Das ist der Geist der Kon­sum– und Gier­ge­sell­schaft. Ein Zei­chen der Zeit.

Bei uns gibt es wei­ter­hin die ein­fa­chen Schoko-Adventskalender. Unsere Toch­ter (fast 9) will es selbst so. Ohne Zwang oder gute Zurede unsererseits.

Sym­bol­foto

Und für uns alle hängt dane­ben ein kit­schi­ger, aber schö­ner Nostalgie-Adventskalender, bei dem man kleine Engel­chen hin­ter Wald­bäu­men her­vor­schie­ben kann. Jedes Jahr ein Spaß für die ganze Fami­lie. Von 9–99 Jahren.