Kloschweine

Es sind genau jene Momente im Leben, an denen man die ganze Welt anbrüllen möchte und einer schleichend wachsenden Misanthropie neues Futter geliefert wird.

Du gehst auf die Gemeinschaftstoilette im Büro und fragst Dich beim Anblick des Porzellans, welche respektlose, egoistische Drecksau hier gehaust hat. Suchst Dir flugs eine andere während ein Kollege Dich herauskommen sieht und diese Toilette dann betritt.
In Dir erwächst die Stimme, die sagen möchte „Das war ich nicht“, doch gehst zähneknirschend auf den nächsten, hoffentlich sauberen Lokus.
Jedoch mit der Gewissheit, dass der andere Dich für diese Drecksau hält, und es sogar anderen Kollegen so erzählen könnte.

Am liebsten würde man das Schwein finden und allen Kollegen präsentieren. Ein Foto von ihm mit dem Bild der unsäglichen Sauerei an die Pinnwand heften oder via E-Mail an die ganze Belegschaft verteilen.
Stattdessen setzt Du Dich wieder brav an Deinen Platz, als sei nichts weltbewegendes passiert und hoffst, dass nicht Dein Foto plötzlich irgendwo in diesem Zusammenhang auftaucht.

Aber das Schlimmste dabei ist, dass Du Dich ungerechtfertigterweise sogar noch schuldig fühlst.

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