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Bleib schön rechts und lass Dich nicht ansprechen

Face­book führt die Chro­nik ein. Daten­schüt­zer lau­fen Sturm.”

MIMIMIMI!

Google arbei­tet am Super­pro­fil. Daten­schüt­zer schla­gen Alarm.”

MIMIMIMI!

Jeden Tag eine neue alar­mie­rende Sturm­war­nung rund um die klei­nen „Big Bro­thers” des Sozia­len Inter­nets. Medi­en­po­le­mik as its best.
Und jeden Tag erneut ein gro­ßes Weh­kla­gen unter den bra­ven und unschul­di­gen Internet-Bewohnern.

Ja, Regie­run­gen und Groß­kotz… — äh — Groß­kon­zerne möch­ten alles über jeden wis­sen, um uns noch mehr kon­trol­liert mani­pu­lie­rend aus­zu­beu­ten. Da ist ganz bestimmt etwas dran. Wobei man über Hin­ter­gründe und Inten­tio­nen der all­ge­mei­nen Daten­sam­mel­lust ledig­lich spe­ku­lie­ren kann.
Opti­mis­tisch betrach­tet, wol­len alle nur ein kom­for­ta­ble­res All-In-One-Internet, in dem jeder mit jedem und allem ver­bun­den, ver­schach­telt und verk­nud­delt ist. Ver­schwö­rungs­theo­re­tisch ist das alles eine groß ange­legte Maschi­ne­rie zur all­um­fas­sen­den Über­wa­chung, Kon­trolle und Mani­pu­la­tion.
Orwell ick hör’ Dir trapsen.

Doch diese Neu­gier macht­be­ses­se­ner Kapi­ta­lis­ten ist nichts neues. In der digi­ta­len Welt bekommt es jedoch eine ganze andere Qua­li­tät. Nie war es so ein­fach mas­sen­haft Daten abzu­ar­bei­ten, zu sor­tie­ren und zuzu­ord­nen.
Als Lies­chen ihre Post­karte samt Adresse zwecks Preis­aus­schrei­ben­teil­nahme an das brave wohl­be­kannte Unter­neh­men schickte, in der Hoff­nung kos­ten­frei am wun­der­ba­ren Waren­kon­sum zu par­ti­zi­pie­ren, machte sich komi­scher­weise kaum jemand Gedan­ken, dass in der Post­ab­tei­lung junge Damen die Adres­sen zur poten­ti­el­len Gewinn­be­nach­rich­ti­gung abtipp­ten und in den Daten­hort des Unter­neh­mens stopf­ten. Diese Adres­sen wur­den dann spä­tes­tens bei der nächs­ten Pro­dukt­neu­heit her­aus­gefum­melt und auf die Direktmarketing-Post geklebt. Zur Freude Lies­chens oder der Papier­re­cy­cling­in­dus­trie.
Aber dies nur als nost­al­gi­sches Bei­spiel, wie es frü­her bes­ser war.

Das ist jedoch alles ein ver­gleichs­weise harm­lo­ses Unter­fan­gen, betrach­tet man die Mög­lich­kei­ten des moder­nen Net­wor­kings und der sozia­len Dienst­leis­tun­gen im Digi­ta­len. Freunde fin­den, kon­tak­tie­ren, gru­scheln, anstup­sen, loka­li­sie­ren, infor­mie­ren, chat­ten, ein­krei­sen und all die tol­len Mög­lich­kei­ten, die uns pfif­fige Men­schen­lieb­ha­ber anbie­ten, um das glo­bale Dorf noch enger zusam­men­rü­cken zu las­sen.
Ja, „Dorf” ist in der Tat ein guter Aus­druck, der damit genau das rich­tige Kli­schee bedient. Im Dorf kennt jeder jeden und jeder weiß alles über den ande­ren. Klatsch und Tratsch ist die Lebens­en­er­gie der Ein­tau­send­see­len­kom­mune. Plagt Dich an dem einen Ende des Ortes Fuß­pilz, bekommst Du spä­tes­tens am nächs­ten Tag vom ande­ren Ende — im bes­ten Fall — den Rat­schlag, es ein­mal mit Anti­fun­gi­zid­salbe und Woll­so­cken zu pro­bie­ren. Wenn die stille Post weni­ger fein­füh­lig mit der Nach­richt umgeht, könnte es durch­aus sein, dass man Dir Viel­wei­be­rei oder umge­kehrt Nym­pho­ma­nie vor­wirft und damit sel­ber schuld seist an der tod­brin­gen­den Geschlechtskrankheit.

Aber ich schweife ab.

Man befin­det sich im Dorf zwei­fels­frei in einem öffent­li­chen Raum, sobald man die Tür ver­lässt. Und jede ver­bale oder ges­ti­kale Äuße­rung könnte poten­ti­ell zum Stamm­tisch– oder Fens­ter­sims­thema mutie­ren.
Das glo­bale Dorf, das vie­ler­orts auch schlicht Inter­net genannt wird, ist eben­falls ein öffent­li­cher Raum. Und WIE öffent­lich. Öffent­li­cher geht es eigent­lich nicht mehr.
„Aber ich benutze doch haupt­säch­lich das Soziale Netz­werk mei­nes Miss­trau­ens”, wer­den viele nun skan­die­ren, „und dort bin ich doch unter Mei­nes­glei­chen und habe einen pass­wort­ge­schütz­ten Zugang und Daten­schutz­richt­li­nien schüt­zen mich und…”.
Sicher­lich ist Ver­trauen eine gute, wenn nicht sogar die beste Vor­aus­set­zung für zivi­li­sier­tes Leben. Gäbe es nur Miss­trauen, wür­den wir uns sicher bald alle gegen­sei­tig denun­zie­ren und mas­sa­krie­ren. Aber lei­der sind nicht alle Men­schen lieb und nett. Es gibt eine Menge böser Hexen und Hexer, die in ihren Zucker­häus­chen sit­zen und auf Lies­chen und Peter war­ten, um sie dann hin­ter­rücks her­ein­zu­le­gen.
Also eine gesunde Mischung aus Ver­trauen und Miss­trauen ist die Kern­sub­stanz des gesell­schaft­li­chen Mit­ein­an­ders. Unter ande­rem.
Doch wie ist das im sozial-digitalen Geflecht?
Ich würde sagen: nicht viel anders.

Eltern, die ihre Kin­der irgend­wann auf die Straße abna­beln, geben die­sen gerne auf den Weg schön rechts zu gehen und sich von nie­man­dem anspre­chen zu las­sen. Für die Straße und die weite Welt pro­fane, aber durch­aus hilf­rei­che Rat­schläge. Selbst für Erwach­sene.
Wenn her­an­wach­sende und aus­ge­wach­sene Men­schen aber ins Inter­net gelas­sen wer­den, ist da sel­ten jemand, der mahnt und rat­schlägt.
Da wir ja alle mün­dig und auf­ge­klärt sind, braucht es auch kei­nen, der auf uns auf­passt, wenn man sich im Daten­strom trei­ben lässt.
Doch komme ich damit end­lich zur Kern­aus­sage die­ses lang­at­mi­gen Geschwur­bels. (Ich erahne Aufatemgeräusche.)

Wir sind in gewis­ser Hin­sicht selbst­ver­ant­wort­lich für alles was wir tun und las­sen, sobald wir erwach­sen sind. Im recht­li­chen Sinne sogar noch dif­fe­ren­zier­ter. Das bedeu­tet, dass ich ler­nen und ver­ste­hen muss, auf was und wen ich mich in der digi­ta­len Welt ein­lasse. Das Inter­net ist kein bun­ter Spiel­platz auf dem Erzie­hungs­be­rech­tigte oder Auf­sichts­ver­pflich­tete im Hin­ter­grund sit­zen und auf­merk­sam dar­auf ach­ten, dass sich der Inter­net­stö­be­rer nicht ver­letzt oder von der Schau­kel plumpst. Aber wir sind dort auch nicht allein. Jede Bewe­gung, jede Aktion, jede Reak­tion hat Kon­se­quen­zen und kann von jedem gese­hen, ver­än­dert oder ver­wen­det wer­den. Man­ches sicher nur mit ent­spre­chend tech­ni­schem Wis­sen­s­po­ten­tial und man­ches nur mit der nöti­gen bösen Ener­gie.
Nichts­des­to­trotz, gilt dies auch für ver­meint­lich in sich geschlos­sene Netz­werke, die hei­me­lige Gemüt­lich­keit sug­ge­rie­ren. Man benö­tigt hier in der Tat ein gro­ßes Ver­trauen in die huma­nis­ti­sche Auf­rich­tig­keit des Betrei­bers und in die tech­ni­sche Zuver­läs­sig­keit des ver­wen­de­ten Sys­tems. Den­noch spielt sich das alles im Inter­net ab. Man betritt nicht zwangs­läu­fig einen her­me­tisch abge­rie­gel­ten Bereich. Es bleibt öffent­lich. Wenn auch, unter bestimm­ten Gesichts­punk­ten, eine ein­ge­schränkte Öffent­lich­keit.
Genauso wie im Dorf­le­ben, nein, sogar noch mehr als im Dorf­le­ben, sollte ich ver­bale und ges­ti­kale Kom­mu­ni­ka­tion nur so weit betrei­ben, um Kom­pro­mit­tie­rung allzu pri­va­ter Dinge gar nicht erst zuzu­las­sen. Da nützt all das Gejam­mer hin­ter­her nichts, wenn man sich am Hin­tern kratzt, davon ein Video ins Inter­net stellt und sich dann recht­fer­ti­gen muss, dass das Gekratze nicht von man­geln­der Hygiene herrührt.

All diese Dinge las­sen sich unter dem mitt­ler­weile schon über­stra­pa­zier­ten Begriff der Medi­en­kom­pe­tenz zusam­men­fas­sen. Lei­der ver­misse ich diese bei vie­len, die mir im Netz oder im Real­le­ben begegnen.

Ich plä­diere für einen eigen­ver­ant­wort­li­chen Umgang mit dem Netz und den eige­nen Daten. Über­lasst den Daten­schutz nicht den Behör­den und schon gar nicht den Unter­neh­men, die Euch in Erklä­run­gen und Para­gra­phen eine heile Welt ver­spre­chen. Lasst Euch aber auch nicht sofort von der Pole­mik der Medien ansta­cheln, die nur zur all­ge­mei­nen Ver­un­si­che­rung bei­tra­gen. Kri­tik­fä­hig­keit, ja. Abgrund­tie­fes Miss­trauen, nein.
Das Netz an und für sich ist nicht böse. Und ich wage zu behaup­ten, dass Urhe­ber und Betrei­ber von sozia­len Netz­wer­ken eben­falls nicht vor­sätz­lich beab­sich­ti­gen Eure per­sön­lichs­ten Geheim­nisse zu ent­lo­cken, um diese noch böse­ren Gesel­len in die Hände zu spie­len. Aber es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass sol­che über ihr Ziel hin­aus­schie­ßen.
Seid offen und auf­merk­sam für all das was Euch im Inter­net begeg­net, aber lasst Euch vor allem das Den­ken und die Ver­ant­wor­tung nicht abneh­men. Den­noch bleibt Euch stets bewusst, dass jede Infor­ma­tion über Euch poten­ti­ell zu Euren Las­ten ver­wen­det wer­den kann. Wer sich öffent­lich offen­bart, muss sich jeg­li­cher Kon­se­quen­zen dar­aus im Nach­hin­ein klar sein. Behan­delt das Inter­net und seine Dienste wie die Straße:
Geht schön rechts und lasst Euch nicht ansprechen.

Tweet of the Day #4

Der heu­tige Tweet of the Day ist zwar nicht von heute, aber der Gedanke dahin­ter ist immer gültig.

Zeitfresser besser messen mit dem „Zeitfressermesser”

Man ver­plem­pert ja echt den gan­zen Tag eine Menge Zeit. Mit den unter­schied­lichs­ten Din­gen, wie bei­spiels­weise Kaf­fee holen oder auf dem Klo sit­zen.
Um die schlimms­ten Zeit­fres­ser zu iden­ti­fi­zie­ren hat SPON einen medi­zi­nisch emp­foh­le­nen und kli­nisch getes­te­ten Zeit­fres­ser­mes­ser ent­wi­ckelt. Damit akti­viert man für jeden Zeit­fres­ser eine Art Stopp­uhr, die die jewei­li­gen Zei­ten erfasst und man somit hin­ter­her die Pro­blem­zo­nen iden­ti­fi­ziert, die einen von der Arbeit oder vom Schla­fen abhalten.

Ich habe dies selbst­ver­ständ­lich und selbst­los im Selbst­ver­such für die Wis­sen­schaft, alle meine Leser und die Mensch­heit schlecht­hin gewagt. Ein Zwi­schen­er­geb­nis seht Ihr in der Abbil­dung.

Es ist ein Wahn­sinn mit wel­chen sinn­freien Din­gen man den Tag her­um­bringt. Das wäre mir ohne die­ses geniale Hilfs­mit­tel über­haupt nicht auf­ge­fal­len. Natür­lich soll die­ses Tool (=neu­deutsch für Uti­lity) eben auch dabei hel­fen, sol­che Zeit­fres­ser in den Griff zu bekom­men. Wenn man so her­aus­be­kommt, wie­viel Zeit diese am Tag ein­neh­men, weiß man wie­viel Zeit diese an einem Tag einnehmen.

Das ganz ist natür­lich sinn­los, wenn man die Ergeb­nisse nicht auch sei­nen Mit­men­schen mit­teilt und ihnen die Chance gibt eben­falls ihr Leben mit dem Zeit­fres­ser­mes­ser zu optimieren.

Die Ergeb­nisse kön­nen Sie bei Face­book oder Twit­ter pos­ten oder auch in Text­form über­neh­men und in jedes belie­bige Pro­gramm kopie­ren, zum Bei­spiel in eine Excel-Tabelle.

Der Emp­feh­lung des Autors werde ich natür­lich umge­hend Folge leis­ten und meine per­sön­li­chen Ergeb­nisse der Mes­sung und die­ses tolle Hilfs­mit­tel allen Freun­den bei Face­book, Twit­ter, XING, WKW,… beschrei­ben und nahe­le­gen. Das ganze doku­men­tiere ich in einer Excel­ta­belle und werde dazu auch eine Powerpoint-Präsentation erstel­len.
Danach mache ich dann Feierabend.